elysium 


 Ort, Wunschort, Zukunftslabor

 

Wohin, fragt man sich, soll man folgen, wenn es heißt: „Folge uns ins Elysium!“?

Es ist die Aufforderung, sich mit Leib, Seele und Hirn an einen realen Ort, einen Wunschort und zugleich in ein Zukunftslabor zu begeben.

Die jüdischen, filmbegeisterten Stofffabrikanten Lehmann errichteten auf ihrem Grundstück in Schöneweide ein der Allgemeinheit zugängliches Filmtheater mit dem Namen Elysium. Dort befanden sich neben dem Kino Fabrikationsgebäude und auch die Villa der Unternehmerfamilie. Was nach der Enteignung und Deportation der Familie im Dritten Reich und die spätere Umnutzung in der DDRvon den Gebäuden und dem Gelände der Lehmanns übrigblieb, ist die von den moving poets wiederbelebte NOVILLA mit ihrer wunderbaren Lage an der Spree in einem Park mit uraltem Baumbestand.

Dorthin also, soll man folgen.

Was aber ist ein Elysium? In der antiken Mythologie, zuerst bei Homer erwähnt, ist das Elysium, später auch als Insel der Seligen bezeichnet oder als  Ort der Gerechten und Frommen in der Unterwelt vorgestellt, ein schöner, paradiesähnlicher Garten am Westrand der Erde, an den diejenigen Sterblichen gelangen, denen die Götter besonders gewogen sind. Am Ozean gelegen, weht dort stetig ein laues Lüftchen, und es herrscht ewiger Frühling wie im Olymp. Die dorthin Entrückten, durch die Götter vom Todeserlebnis verschont, führen dort ein glückseliges Dasein in ewiger Freude, „der Tochter aus Elysium“, wie es in Schillers Ode an die Freude heißt.

Wer wollte dorthin nicht folgen, an solch einen paradiesischen Ort? Doch kann er nur Wunschort, im Unwirklichen existierender Idealzustand sein. Was bleibt, ist die Frage nach der Gestaltung der realen Welt, nach dem kreativen und produktiven Umgang mit dem Gegebenen, der Entwicklung von Neuem, dem Ausloten von Möglichem und Möglichkeiten, der forschenden gedanklichen und sinnlichen Auseinandersetzung

 

 

mit dem Hier und Jetzt im Hinblick auf ein lebenswertes Morgen in einer Zeit der großen wissenschaftlichen, kommunikationstechnischen und politischen Umbrüche in einer globalisierten Welt. Und dies nicht in der Perspektive der Endzeitphantasie einer apokalyptischen Katastrophe, sondern auf den Fluchtpunkt einer angenehmen, einer elysischen Welt hin orientiert.

Die beteiligten internationalen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen sind die Akteure, die sich in einem offenen Prozess über den Veranstaltungszeitraum vom 23. Juni, dem Beginn der Eingangsausstellung „…far from the deathless gods“, bis zum 17. September, der Abschlussveranstaltung im Garten Eden, dem in ein elysisches Gefilde verwandelten Anwesen der Novilla, mit der Frage Wie wollen wir leben? auseinandersetzen. Dies tun sie nicht als streng getrennt agierend Forschende, sondern gemeinsam, jede Disziplin auf ihre Weise: Die Kunst durch die Praxis ihrer künstlerischen Arbeit. Die Wissenschaft durch begrifflich-theoretische Auseinandersetzung und Diskussion wissenschaftlicher Forschung. In verschiedenen Workshops, Präsentationen, interaktiven Installationen und Performances gehen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen gemeinsam dieser Frage nach. Dabei sollen die neuzeitliche Trennung von Kunst und Wissenschaft überwunden und Strukturähnlichkeiten von wissenschaftlichen und künstlerischen Denk- und Arbeitsprozessen entdeckt werden, die neue Gedankenwege inspirieren, noch nie Gedachtes denkbar machen. Kunst und Wissenschaft finden im Elysium-Projekt zusammen, um in einem Zukunftslabor zu forschen, und dessen Ergebnisse im temporären Garten Eden zu präsentieren.

Wer ins Elysium folgt, folgt ins elysische Anwesen der Novilla mit seinen vielfältigen künstlerisch-wissenschaftlichen Aktivitäten und Veranstaltungen für Leib, Seele und Hirn, und damit zugleich in ein großes Gedankenexperiment.

 

Dorothea Böhland


Konzept

 

gelöstes Paradies oder verdünntes Walhalla

Ein hoffnungslos optimistisches Kunstprojekt mit Werkstattcharakter an den Schnittstellen zu Wissenschaft und Forschung.

Von Juni bis September 2017 entwickelt sich unter Beteiligung von Künstlern, Kuratoren und Wissenschaftlern Moving Poets NOVILLA zum Genius Loci einer „Insel des seligen Gesamtkunstwerks“. Utopisten des Steampunk, Maler, Bildhauer, Performer, Musiker, Klang- und Mediakünstler treffen auf Wissenschaftler und Hersteller des nachhaltig futuristisch höchst ökonomisch Abbaubaren. Mit Ausstellungen, Performances, (interaktiven) Installationen, Konzerten, Aktionen, Präsentationen, wissenschaftlichen und künstlerischen Salons und Workshops.


Übergreifende Fragestellung:

Gibt es im Kontext der Realisierung eines solchen Elysiums künstlerische Utopien, die Naturwissenschaft und Technik weit voraus sind…    oder haben die atomaren Tüftler schon längst die selbsternannten stylischen Weltverbesserer als Dekorateure eines abgeschlossenen Debattierklubs klassifiziert und weit hinter sich gelassen?

…in ihrer Radikalität?           

 …in ihrer Nachhaltigkeit?     

 …in Ihrem Weltrettungsansatz?



Ausgangspunkt:

Ein künftiges, am Gemeinwohl orientiertes Elysium kann nicht auf der Ausbeutung von Flora, Fauna und anderen Menschengruppen aufbauen. Es arbeitet mit bereits vorhandenen Materialien, Gezeiten, Elementen, ist beweglich, steuerbar und anpassungsfähig – eher ein Segelboot mit Mannschaft als eine Insel der Seligen. 

Anstatt Drohnen und Falken als Durchsetzer von Weltherrschaftsfantasien zu inszenieren, werden deren technische Parameter in der Nutzung von Luftströmen, Aufwinden, Sonneneinstrahlung und Orientierung zur Produktion leichtfüßiger und anregender Bau- und Spielelemente genutzt.

Von Juni bis September 2017 entwickelt sich unter Beteiligung von Künstlern, Kuratoren und Wissenschaftlern Moving Poets NOVILLA zum Genius Loci einer „Insel des seligen Gesamtkunstwerks“. Utopisten des Steampunk, Maler, Bildhauer, Performer, Musiker, Klang- und Mediakünstler treffen auf Wissenschaftler und Hersteller des nachhaltig futuristisch höchst ökonomisch Abbaubaren. Mit Ausstellungen, Performances, (interaktiven) Installationen, Konzerten, Aktionen, Präsentationen, wissenschaftlichen und künstlerischen Salons und Workshops.


concept


Paradise resolved or diluted Walhalla.

A hopelessly optimistic art project with workshop character at the interface to science and research.

From June until September 2017 participating artists, curators and scientists will turn moving poets NOVILLA into the genius loci of an "island of the blessed Gesamtkunstwerk". Utopians of steampunk, painters, sculptors, performers, musicians, sound and media artists meet scientists and manufacturers of the sustainable, futuristic, highly economical and biodegradable. With exhibitions, performances, (interactive) installations, concerts, actions, presentations,
scientific and artistic salons and workshops.


overarching questions

In the context of the realization of such an Elysium, are there are artistic utopias that are far ahead of science and technology... or have the atomic tinkerers already classified the self-proclaimed stylish do-gooders as decorators of a finished debate club and left them far behind?

...in their radicalism?

...in their sustainability?

...in their world rescue approach?


 

starting point

A future Elysium that is oriented towards the common good cannot be based on the exploitation of flora, fauna and other groups of people. It works with existing materials, tides, and elements and is portable, controllable and adaptable – more like a sail boat with a team then an „island of the blessed".
Rather than employing drones and hawks as a tool to enforce fantasies of world domination, it applies their technical parameters that benefit the use of air currents, up winds, sunlight and navigation to the production of light-footed and stimulating elements for construction and play.